und erkenne wer du bist und wie du tickst!

Voice Dialogue – Die Arbeit mit inneren Persönlichkeitsanteilen

 

innere Antreiber

Der Wecker läutet, verschlafen und missmutig über die Störung versucht meine Hand durch blindes Herumgetapse dem Störenfried das Maul zu stopfen. Aufatmend sinke ich ins Kissen zurück und rolle mich zufrieden in meine Decke ein. Mein Faulenzer hat den Kampf gegen den Wecker mit dem Versprechen „nur noch 10 Min.“ gewonnen.

 

Leider hat er die Rechnung ohne dem Wirt, sprich dem inneren Antreiber gemacht. Der kennt das schon und wird sofort aktiv. „He, was soll das, deine 10 Min. kenn ich schon, daraus wird dann wieder mindesten eine halbe Stunde, dabei haben wir doch ausgemacht, dass du heute früh aufstehst, meditierst, dann die Wohnung vom Staub befreist und die Bügelwäsche endlich erledigst. Außerdem habe ich beschlossen, dass du Zeitschriften auf interessante Fachartikel durchliest, endlich das Buch über Werbung und Öffentlichkeitsarbeit durcharbeitest und ein Konzept für dein Seminar schreibst.

 

Dann schaltet sich auch noch der Perfektionist ein: „Ja, und wenn du einkaufen gehst, dann bitte nur frisches Gemüse und Obst, keine Fertigprodukte, es wäre nämlich an der Zeit, deiner Familie wieder einmal ein frisch zubereitetes, ernährungsbewusst ausgewähltes, Mittagsmenü inkl. Vollwert-Dessert zu kredenzen. Das Konzept für dein Seminar muss schon etwas besonderes werden, mit Mittelmaß geben wir uns nicht zufrieden.“

 

Während dieser Dialoge in meinem Kopf stattfindet wälze ich mich unruhig herum, denn mein Faulenzer kontert bravourös: „Jetzt mal Pause, dazu hast du noch Zeit genug, auch wenn wir noch ein kleines Nickerchen machen, und die Bügelwäsche liegt jetzt schon so lange auf einen Tag mehr oder weniger kommt es nicht an, über Werbung weißt du sowieso genug und die Zeitschriften sind ganz einfach urrfaaad. Wenn ich das alles höre hab ich gleich überhaupt keine Lust aufzustehen.“ Ich ziehe mir den Polster über Augen und Ohren und meine, dass damit die Diskussion beendet ist.

 

Aber Freund Antreiber und Perfektionist sind nicht so leicht einzuschüchtern und daher geht der Kampf die nächsten 20 Min. weiter. In einem halbwach-halbschlaf Zustand wälze ich mich im Bett hin und her und stehe nach einer halben Stunde bereits von der Vorstellung, was alles zu erledigen ist, völlig erschöpft auf.

 

Solche und ähnliche Gespräche laufen jeden Tag in jedem Kopf ab, ja auch in deinem. Falls du einwenden wolltest: Ich bin doch nicht verrückt. – Stimmt, ich auch nicht. – Auch Goethe hat bereits erkannt, dass zumindest zwei Seelen in seiner Brust wohnten. Wir alle sind an dieses Geplapper in unserem Kopf, und die daraus resultierenden Spannungen in unserem Körper, ganz einfach gewohnt. Wenn sich wie in obigem Beispiel zwei gleich starke Seiten, einen Kampf um die Entscheidung liefern, ist die ein innerer Kampf und wird von den entsprechenden Spannungen begleitet. Dies war nur ein kleiner Auszug, aus der enormen Vielfalt von Verhaltensweisen, die tatsächlich in Form von autonomen inneren Personen das Haus Mensch bevölkern.

Bedingt durch die Umwelt, die in Form von Familie, Kultur und Gesellschaftsstruktur, Religion, Sitten und Gebräuche auf das Individuum Mensch oft bereits vor seiner Geburt einwirken, entwickeln sich diese inneren Personen unterschiedlich stark. Manche sind groß und mächtig, manche führen ein verdrängtes kleines Schattendasein. Die großen und mächtigen haben sich aufgrund der Kindheitserfahrungen als besonders wirksam erwiesen, das Überleben mit geringstmöglichen Schmerzen und seelischen Verletzungen zu sichern, obwohl dies auf den ersten Blick paradox erscheinen mag.

 

Untersuchen wir doch einmal unser obiges Beispiel:

Da gibt es als erstes unseren gemütlichen Faulenzer, der für möglichst viel Entspannung, Ruhe und Schlaf sorgt und den Menschen vor zu viel Unrast, Eile und Überforderung schützt.

Sein Gegenspieler ist der Antreiber, der besonders in unserer leistungsorientierten, schnelllebigen Kultur sein Paradies gefunden hat. Er sorgt dafür, dass wir schnell, tüchtig, ständig fleißig und aktiv sind, dass wir im Leben Taten setzen, Ideen verwirklichen und erfolgreich sind.

 

Grundsätzlich sind beide Kräfte dafür da, für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sein und Tun zu sorgen. Warum kommt es dann überhaupt zu Problemen und einem Ungleichgewicht. Wieso kann sich eine Kraft auf Kosten der anderen entwickeln? Um eine Antwort zu finden, brauchen wir uns nur in unserer nächsten Umgebung umzusehen, ganz allgemein gilt für Industriestaaten, wer viel leistet, ist angesehen und gilt als wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft.

 

In vielen Familien werden oft schon Kleinkinder zu Höchstleistungen angetrieben. Stolz erklärt die Mama: „Unser Pepi hat bereits mit fünf Monaten ins Töpfchen gemacht.“ Papi fügt freudestrahlend hinzu: „Mit drei hat er schon das kleine Einmaleins gekonnt und mit vier hat er die Märchenbücher schon ganz allein gelesen. Deshalb haben wir in schon mit fünf in diese neue Eliteschule für überdurchschnittlich Begabte gegeben.“ Der kleine Pepi hat früh gelernt, dass Mami höchst ärgerlich wird, wenn er schon wieder in die Hose gemacht hat und ganz besonders lieb, wenn er sein Geschäftchen am Töpfchen erledigt. Und Papi ihn seit dem Schulbeginn besonders oft hochhebt und seiner Verwandtschaft stolz als „seinen tüchtigen, großen Jungen“ präsentiert.

 

Kinder sind offene, höchst sensible, lernfähige, aber auch abhängige und verletzliche Wesen, die ganz viel Fürsorge und Liebe brauchen. Über sämtliche Sinne lernen sie bereits ganz früh, zum Beispiel den Klang einer Stimme auf liebevolle Zuwendung oder gereizte, ärgerliche Ungeduld zu unterscheiden, und das eigene Verhalten darauf abzustimmen. Jenes Verhalten, das dem Kind Liebe, Zuwendung und die Zugehörigkeit zum Familiensystem sichert,  wird es dementsprechen stark entwickeln.

 

Ein Kind spürt instinktiv, ob es mehr geliebt wird wenn es tut und leistet und weniger, wenn es bloß da ist; ob es bei der Mama oft auch still und verträumt sein kann, der Papa aber eher auf seinen kleinen Fußballspieler steht und dementsprechend entwickeln sich mächtige innere Personen, die dafür sorgen, dass das richtige Verhalten, zum richtigen Zeitpunkt und im entsprechenden Maß gezeigt wird.

 

Die Personen wirken in uns noch lange weiter, obwohl sich die Situation, die ihr  Entstehen erforderlich gemacht hat, schon lange zumindest äußerlich verändert hat. Der ehrgeizige, immer gestresste Papa von damals, sitzt heute gemütlich im Schaukelstuhl und genießt seine Pension und freut sich, wenn sein Sohn endlich ein paar Tage Urlaub macht und auf Besuch kommt. Er hat schon lange eingesehen, dass das Sprichwort „wer rastet, der rostet“ nicht überbewertet werden darf. Doch in seinem Sohn lebt oft ganz unbewusst, ein mächtiger Antreiber, der von dem Vater von damals gelernt hat und bis heute ein strenges Regiment führt. Dem Vater sein damaliges Verhalten vorzuwerfen hätte wenig Sinn und würde auch nichts ändern.

 

Ein wirksamer Weg aus diesem Problem wäre, sich des inneren Antreibers bewusst zu werden, sich wirklich anzuhören, was er zu sagen hat und warum er auf diese Art seinen Job tut. Denn das Verhalten dieser inneren Personen hat damals gut funktioniert. Hat für Zuwendung gesorgt und Schmerz und Verletzung verhindert und wurde so zu einem sogenannten „Hauptselbst“. Das ist ein Anteil, der besonders wirkungsvoll für Schutz und Überleben in unsere speziellen Gruppe gesorgt haben. Sein Verhalten wurde auf einer inneren Festplatte gespeichert und wird seit dem automatisch und ungeprüft abgerufen.

Arbeit mit Voice Dialogue

Überhaupt sind wir Menschen im Vergleich zu der uns umgebenden, sich im Eilzugtempo entwickelnden hoch technischen Umwelt richtiggehend rückständig. Der PC wird liebevollst aufgerüstet, seine Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit wird auf den neuesten Stand der Entwicklung gebracht und er wird von Altem und Unbrauchbarem befreit. Mit unserer eigenen inneren Festplatte sind wir weit weniger heikel. Da tummeln sich Programme aus der Steinzeit, die sich besonders in Konflikt- oder Stresssituationen in höchst unreifem Verhalten bemerkbar machen. Oder es wird zum 100sten Mal das gleiche unsinnige Verhaltensmuster abgespult, nur weil es irgendwann einmal  – und dies ist oft schon Jahrzehnte her – gut funktioniert hat. Unser PC hat am Anfang auch gut funktioniert und wir waren mit seiner Leistungsfähigkeit durchaus zufrieden. Allerdings den gleichen PC auch nach 10 Jahren nutzen zu wollen, würde niemand ernsthaft in Erwägung ziehen. Es ist daher erstaunlich, wie wenig Gedanken wir uns im Vergleich dazu, um unsere eigenen Verhaltensprogramme machen und mit welcher Hartnäckigkeit wir oft völlig überaltete und unpassende Verhaltensweisen wiederholen.

 

Dabei ist es gar nicht so schwer, es genügt die Bereitschaft, uns selbst unvoreingenommen zu begegnen. Die Arbeit mit der Voice Dialogue-Methode bietet dazu eine höchst einfache und wirksame Möglichkeit. Du brauchst dafür allerdings eine erfahrene Voice-Dialogue-Begleichtung. Wichtig ist, dass sie in der Lage ist, innere Anteile anhand ihrer unterschiedlichen Schwingungs- oder Energiequalität wahrzunehmen und zu unterscheiden. Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit dem inneren Persönlichkeitssystem und kann dich dabei unterstützen, deine aktive innere Hauptperson anhand der ausgestrahlten Energiequalität zu entdecken und ganz bewusst wahrzunehmen. Ich führe mit dieser inneren Person einen Dialog, um ihre Fähigkeiten und Absichten und den ursprünglichen Grund für ihr Entstehen herauszufinden.

 

Du erfährst auf diese Weise oft zum ersten Mal, wer da in dir schon seit Jahren agiert oder reagiert und dein Leben auf diese Weise bestimmt und steuert. Wird dieser Prozess über einen bestimmten Zeitraum weitergeführt, lernt du auf diese Weise dein inneres System kennen. Du begreifst, warum es für dich notwendig war, dich auf diese bestimmte Art zu verhalten, welche Seiten sich in dir zu Hauptselbsten entwickelt haben und für welche Qualitäten in dir es besser war, aus dem Blickfeld zu verschwinden. D. h. welche Seiten du verdrängt oder (noch) nicht entwickelt hast.

 

So wie in äußeren Familiensystemen jedes Mitglied ein Recht auf Zugehörigkeit und Achtung hat, gilt dies auch für das innere persönliche System eines Menschen. Alle diese Teile haben sich aus bestimmten, wichtigen Gründen entwickelt, haben ihre Fähigkeiten und Begrenzungen und ein Recht von uns als zugehörig und in ihrer Eigenart geachtet zu werden. Versuchen wir nun, eine Seite auszugrenzen, weil sie nicht in unsere Vorstellung von uns selbst hineinpasst und dafür anderen Seiten mehr Gewicht zu geben, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Die Arbeit mit Voice Dialogue zielt darauf ab, allen diesen Teilen ihren gemäßen Platz und die Achtung, die ihnen gebührt zukommen zu lassen, und auf diese Art für ein gesundes Gleichgewicht im inneren System eines Menschen zu sorgen.

 

Dies wird nicht durch aktives Tun erreicht, sondern durch respektvolle und liebevolle Wahrnehmung und Annahme der verschiedenen Qualitäten in uns. Auf diese Weise kommt Bewegung rein und das System ordnet sich von selbst neu. Die Seiten fügen sich ein in eine Ordnung, bei der jede Qualität ihre Aufgabe und ihren gemäßen Platz hat und alle dazugehören dürfen. Wir nehmen diese neue Ordnung zum Beispiel durch ein Zunehmen von Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, durch mehr Offenheit oder mehr Gelassenheit und einem Zuwachs an Energiepotential wahr.